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chija in fannish_chi

036. Fiction: Torín

Torín
Original: Schalmeienklänge (mine) | Torín, Feobar | - | PG-13 | german | 385 words

Sie saßen am Feuer und schützten mit ihren Mänteln die Instrumente vor dem eisigen Wind, der selbst hier im Wald durch die Bäume pfiff. Über ihnen in den hohen Bäumen schrien die Käuzchen die Nacht herbei.
„Wohin wollt ihr als nächstes gehen?“, fragte der Trommler mit seiner Bärenstimme. Er war erst vor wenigen Tagen zu ihnen gestoßen, aber jeder hatte sich darüber gefreut, ein Mann wie er versprach Sicherheit. Etwas, was die Spielleute selten genossen.
„Nach Süden.“ Es war Kolles Quäkstimme, die antwortete, der Pfeifer sah sich als ihr Anführer, niemand wusste mehr genau, wieso, aber jeder akzeptierte es. „Wenn die Marktzeit anfängt, wird es dort viel Arbeit für uns geben.“
Der Trommler brummte, offensichtlich nicht zufrieden mit der Antwort.
„Wohin wolltest du gehen?“, schaltete sich Feobar ein und streckte die Hände noch etwas näher ans Feuer.
„Nach Westen. Dort gibt es die besten Gerber und meine Trommel klingt nicht mehr.“
„Dann komme ich mit dir. Ich stamme aus dem Süden, er hat für mich nichts mehr zu bieten. Außerdem habe ich meiner Schwester einen neuen Gürtel versprochen.“
Der Trommler brummte noch ein bisschen tiefer.
„Ich kann schon sehr gut auf mich allein aufpassen, da musst du dir keine Sorgen machen. Zu zweit zu reisen ist einfach angenehmer als allein.“
Der Trommler schwieg einen Moment, dann gab er auf. „Also gut.“

Die trennten sich im Morgengrauen, als sie wieder auf die Straße kamen. Es war kein großer Abschied, sie alle waren es zu sehr gewohnt, jemanden zu verlassen, und wahrscheinlich würden sie sich ohnehin wiedersehen, irgendwo, auf irgendeinem Markt oder auf einer Burg. Eine der Frauen steckte Feobar einen Honigkuchen zu. Sonst ging ihm diese Fürsorge immer auf die Nerven, aber nicht, wenn es um essen ging. Schon gar nicht bei Honigkuchen, Feobar liebte Honigkuchen.

Er lutschte immer noch an seinen Fingern herum, sah dabei wahrscheinlich aus wie ein kleiner Junge, als sie schließlich die Straße entlang stapften. Der große Trommler warf einen Schatten auf ihn. Feobar stellte sich vor, dass er wirres Haar hatte, breite Schultern und einen Bart, so wie sein Vater. „Wie heißt du eigentlich?“
„Ist das wichtig?“
„Ja. Ich weiß gerne, mit wem ich unterwegs bin.“
„Torin.“
„Feobar.“
„Ich weiß.“

„Torin?“
„Hmm?“
„Sie werden gut zusammen klingen, meinst du nicht?“
„Wer?“
Feobar lachte. „Na wer wohl. Deine Trommel und meine Schalmei.“

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