?

Log in

No account? Create an account
uni

chija in fannish_chi

022. Fiction: Das Glück des Teufels

Das Glück des Teufels
Original: Schalmeienklänge (mine) | Feobar, Death | death, obviously | PG-13 | german | written for the 120_minuten-challenge "Spiel(e)" (13.6.10)

Hätte es gestürmt, geregnet, hätten Donner die Erde zum erbeben gebracht, es wäre passender gewesen. Doch stattdessen brannte eine endlich erstarkte Junisonne vom Himmel und Luft sirrte von einer Kakophonie von Vögelstimmen und Insektensummen. Keine Stimmung für einen Tag, dessen ganzer Inhalt das Warten auf einen Boten, oder einen Angriff zu sein schien. Aber wann hatte ein solcher Tag schon einmal die richtige Stimmung? Das Wetter nahm keine Rücksicht auf Befindlichkeiten.

Im Schatten eines Zeltes saß Feobar, der blinde Spielmann, auf dem Boden und blies sachte in seine Schalmei. Die Soldaten des Lagers hatten sich schon lange an ihn gewöhnt, der nicht sah und doch bereits unversehrt aus zwei Schlachten zurückgekehrt war. Hinter seinem Rücken flüsterten sie, dass er das Glück des Teufels hatte. Er zog es vor, sie in diesem Glauben zu lassen. Alles andere wäre schwer zu erklären gewesen.

Als plötzlich ein Schatten auf ihn fiel, dachte Feobar, dass es Torin war, der bärengleiche Trommler, der bereits seit Jahren mit ihm zog und der trotz seiner hünenhaften Gestalt seine Trommel nicht hatte gegen ein Schwert tauschen wollen. Er hob den Kopf, denn er hatte gelernt, dass die Menschen es angenehmer fanden, wenn sie wenigstens den Eindruck hatten, er sähe sie beim Sprechen an.
„Was...?“
Der Spielmann verstummte.

Vor ihm stand der Gevatter, sein schwarzer Umhang kräuselte sich leicht in der warmen Sommerbrise. In der Knochenhand hielt er ein Päckchen Karten. Feobar seufzte. „Du bist zu früh.“
„Ich weiß.“
Der Gevatter ließ sich neben ihm wieder.
„Du hast mir beim letzten Mal das Recht übertragen, das Spiel zu wählen.“ Er begann, die Karten zu mischen. „Ich gehe nicht gerne Risiken ein. Lass uns spielen. Als Probe.“ Er blickte kurz in Richtung des offenen Feldes, das sich hinter dem Lager erstreckte und Feobar hatte den Eindruck, die Staubwolke am Horizont selbst sehen zu können.
„Ich muss ohnehin in der Gegend bleiben.“

Eine Stunde später sammelte der Gevatter die Karten zusammen. Der Spielmann grinste. „Das war nett. Wenn es nächstes Jahr auf so klappt, dann können wir gerne von Würfeln auf Karten umsteigen.“
Der Gevatter grollte. „Ich habe den Aberglauben der Menschen nie verstanden. Aber ich weiß jetzt, warum sie sagen, du habest das Glück des Teufels.“

Comments