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chija in fannish_chi

033. Fiction: Alea iacta est

Alea iacta est
Original: Schalmeienklänge (mine) | Feobar, der Gevatter | death (obviously), character death | PG-13 | german | for the 120_minuten-challenge "Erschütterungen" (Sommerchallenge 2011) | 311 words

An einem schönen Sommertag, an dem die Luft ganz besonders nach Blumen und Heu und Hitze durftete, kam der Gevatter zum Spielmann.
"Ich habe auf dich gewartet", sagte Feobar und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Entspannt lag er im warmen Gras und machte sich nicht die Mühe, aufzustehen, wie es wohl höflich gewesen wäre. Nicht für den Gevatter. Nicht für seinen Freund.
Der Gevatter ließ sich neben ihm nieder und legte die Würfel vor sich ins Gras. "Du weißt, dass es an der Zeit ist."
Feobar nickte. Natürlich wusste er es. Er hatte seiner Schwester einen Brief geschrieben, hatte Ninia und Torín auf den nahen Markt geschickt, Vorräte kaufen und Geld beschaffen und ihnen beinahe im Nebensatz versichert, wie sehr er sie schätzte. Mochte. Wie schön es mit ihnen gewesen war. Und dann hatte er sich hierher auf die Wiese gelegt und gewartet. Bis jetzt.
Noch immer im Liegen griff er nach den Würfeln, drehte sie ein paar Mal müde in der Hand. "Es ist warm."
"Ist es das?" Der Gevatter sah sich um. Vermutlich spürte er solch menschliche Dinge gar nicht. "Mag sein. Nun wirf, Feobar, mein Freund. Es ist an der Zeit."
Feobar nickte erneut und würfelte. Der Gevatter tat es ihm gleich.

Dann, ganz langsam, erhob er sich und reichte dem Spielmann die Hand. "Es war mir eine Ehre, mit dir gespielt zu haben. Nun komm."
Und Feobar stand auf und nahm die Hand des Gevatters und blieb zugleich liegen, entspannt und lächelnd im warmen Gras. Er sah hinunter auf sich selbst und sah sich zum ersten Mal, und Feobar, der blinde Schalmeienspieler, lachte laut auf. Er lachte, und lachte und dann erbat er sich vom Gevatter eine Schalmei. Und während sie langsam von dannen zogen, der Gevatter und die Seele des Spielmannes, die sich ihm länger als jede andere widersetzt hatte, spielte sich Feobar seinen Totentanz.

Comments

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Das ist toll... traurig und es lässt sich doch so schön lesen. Der Tod erinnert mich hier nicht an "unseren"-Eli-Tod, sondern eher an den Tod aus "Die Bücherdiebin"...
Ich wollte die Fortsetzung schreiben und das sollte die Einleitung sein, dann wurde es spontan zu einem eigenen Ficlet. Und dass Feobar irgendwann verlieren würde, war aus den anderen Schalmeienklänge-Geschichten eigentlich klar.

Freut mich. Der Tod... ja, passt. Auf jeden Fall ein Tod mit Kutte und Sense. Eigentlich stammt er ja aus diesem Lied (vorsicht, laut *g*).